Klein Tibet, Pasta Rague, zerstörte Dörfer, Herdenschutzhunde, Italien in Kleinformat und kalte Nächte.

Piano Grande


Ohne Ziel fahren wir von Porto Santo Stefano östlich in Richtung Ancona. Eigentlich haben wir gerade gar keine Lust weg aus der Toscana zu fahren. Nach der kleinen beschaulichen Insel Giglio kommt uns auf dem Festland alles etwas zu hektisch vor. Aber wir müssen in den nächsten Tagen einmal quer durch Italien, um in Ancona unser Fähre nach Albanien zu erwischen. Nach einem kurzen Mittagsrast - oder wie es der Italiener sehen würde einer viel zu kurz geratene Siesta - entscheiden wir uns, die etwas südlich verlaufende Route zu fahren.

Und zu unserem Glück werden die eintönigen Strassen auf diesem Weg schnell interessanter. Sie schlängeln sich durch eine überraschend hügelige Landschaft. Aus den Hügeln werden Berge, das Grün der Bäume verfärbt sich immer mehr in Herbsttöne.

Nachdem wir im letzten Abendlicht über eine Kuppe fahren, bleibt uns beiden der Atem stehen. Vor uns erstreckt sich die Hochebene Piano Grande. Eine kilometerweite Graslandschaft. Nie hätten wir gedacht, dass unser Tag hier im Nationalpark Monti Sibillini auf dieser Hochebene enden wird.


Die Krönung: eine Schale Pasta und eine Pizza vom einzigen offenen Restaurant in dieser Gegend.

Cima del Redentore


Dicker Nebel umgibt uns, als wir an diesem Morgen aus dem Charrli steigen. Wir starten mit unseren Bikes auf einer Schotterstrasse, vorbei an der Notunterkunft von Castelluccio. Nach dem tragischen Erdbeben 2016 wurden hier die Bewohner dieses, heute fast nur noch aus Trümmern bestehenden Dorfes, untergebracht. Später, auf derselben Strasse stehen wir plötzlich vor einer Schafherde, dessen sechs Herdenschutzhunde wohl trainiert und laut bellend auf uns zurennen.

01 / 10

„Avanti!“ ruft uns der Hirte zu. Das tun wir und treten weiter, bis sich der Nebel lockert. Klein Tibet eröffnet sich vor unseren Augen.

Nun lassen wir unsere Bikes stehen und wandern von hier aus eine landschaftlich sehr eindrückliche Runde. Gletscherseen, ein neu gebautes Biwak und ein Gratweg, der uns über die höchsten Gipfel dieser Gegend führt. Gut erkennbar: grosse Risse in den Erd- und Felsmassen, die durch das Erdbeben entstanden sind. Der Grat auf dem wir wandern ist, wie wir später erfahren, gleichwohl auch die Grenze zweier Tektonischer Platten, wovon sich die eine nach dem Erdbeben um über 1m! nach unten bewegt hat. Kein Wunder bleibt da kein Stein auf dem anderen.

01 / 08

Ganz weit unten in der Ebene erblicken wir Casteluccio und das Charrli und klein Italien. Könnt ihr es auch sehen?

Zuerst flowig, dann eher ruppig beenden wir die heutige Tour. Spätestens jetzt haben wir allen Sand der letzten Tage am Meer von unseren Bikes geschüttelt. Jetzt ist es Zeit für ein kühles Bier und eine noch kühlere Dusche!

Castelluccio